Jörg Krenke

Tübingen, September 2015

Auszüge aus dem Vortrag „Forschungen und Probleme“ am 24. September 2015

beim Entwicklungsworkshops des Deutschen Farbenzentrums an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen,

Brechtbau, Raum 127 

Die Krux ist ein Werkzeug entstehen zulassen, das als Grundordnung

  • allgemeinverständlich,
  • vollständig und
  • logisch-nachprüfbar, 
  • zu Analysen und Synthesen der Farb- und Formgestaltung,
  • zum Sprachbau und zu Sprachhandlungen,
  • für die Verständigung mit Symbolen und Merkmalen
  • der Farben und Formen und
  • zur Integration der Farbensysteme und Kataloge geeignet ist.

Das Farben-Formen-System

besteht aus einem              

FARBTONartenKREIS und einem FORMENartenKREIS

Die Funktionen des Farben-Formen-Systems

Methoden zur Arbeitserleichterung

  • Farben- Ordnung,
  • Farben- Kennzeichnung,
  • Farben- Übersicht,
  • Farben- Analyse,
  • Farben- Synthese,
  • Farben- Inspiration,
  • Farben- Interpretation,
  • Farben– Transkription,
  • Farben- Kontrolle.
  • Formen- Ordnung,
  • Formen-Kennzeichnung,
  • Formen-Übersicht,
  • Formen- Analyse,
  • Formen- Synthese,
  • Formen- Inspiration,
  • Formen- Interpretation,
  • Formen– Transkription,
  • Formen- Kontrolle.

Farbbänder zur Orientierung

Vor einer lückenlosen Farbenreihe ist die optische Bestimmung einzelner Farbtöne möglich.

Wenn die Bestimmung von Farbtönen nur vor einem Farbband möglich ist, dann muss ein Farbenkreis 6 Farbbänder vollständig abbilden, um die Farbtöne der FarbtonArten schnell und sicher einordnen zu können.
Der FARBTONartenKREIS ist der erste Farbenkreis, der alle Farbbänder und ihre FarbtonArten vollständig darstellt.

Die Namen im FARBTONartenKREIS

Abstrakte: Gesetzmäßige und von einander ableitbare FarbNamen

Es ist erstaunlich, dass für 18 FarbtonArten 18 abstrakte  FarbNamen existieren. Sie müssen nicht erfunden werden. Sie sind einfach da. Wir können sie nutzen, wenn wir allgemeingültige Farbbezeichnungen brauchen.

     grünGELB  GELB  orangeGELB

 gelbORANGE  ORANGE  rotORANGE

 orangeROT  ROT  violettROT

      rotVIOLETT  VIOLETT  blauVIOLETT

violettBLAU  BLAU  grünBLAU

  blauGRÜN  GRÜN  gelbGRÜN

Die Namen der TertiärFarben

Ist Blaugrün ein BLAU mit Tendenz zu GRÜN oder ein bläuliches GRÜN?

Was ist was? In der Praxis kommt es oft zu Verwechslungen. Ist ein Blaugrün ein BLAU mit Tendenz zu GRÜN oder ein bläuliches GRÜN? Mit einer besonderen Schreibweise: Kleine Buchstaben für kleine Farbenanteile und große Buchstaben für große Farbenanteile kennzeichne ich TertiärFarben. Seit dieser Zeit gab es keine Missverständnisse mehr. Am Telefon sage ich: Schreiben Sie bitte BLAU mit kleinen Buchstaben und GRÜN mit großen. Dieses NamenSystem ist in viele Sprachen übersetzbar.

grünGELB      orangeGELB

gelbORANGE      rotORANGE

orangeROT      violettROT

rotVIOLETT      blauVIOLETT

violettBLAU      grünBLAU

blauGRÜN      gelbGRÜN

Das rote Farbband

Wählen wir das „reine Rot“ aus dem roten Farbband,
bleiben die FarbtonArten orangeROT und violettROT.
Die FarbtonArten im roten Farbband: orangeROT –  ROT –  violettROT.
Andere rote Farben gibt es im Vollfarbenring und im Bereich sichtbaren Lichts nicht.

Das rote Farbband im FARBTONartenKREIS

FarbtonArten, Farb-Arten-Namen, Farb-Arten-Nummern und Dezimalstellen

Der FARBTONartenKREIS

Der FARBTONartenKREIS demonstriert zum ersten Mal Farbbänder und FarbtonArten im Farbenkreis

Farben vierter Ordnung

Zwischen dem gelben und dem roten Farbband bleibt ein unübersehbarer Farbunterschied. Diese Differenz kann nur durch ein neues Farbband mit einer SekundärFarbe und idealen und allgemeinen TertiärFarben ausgeglichen werden.

Übergänge zwischen dem GELBEN und dem ORANGE Farbband

Zwischen dem GELBEN und dem ORANGEN Farbband gibt es dagegen einen sanften Übergang. Da ist kein Platz für ein neues Farbband, kein Platz für eine SekundärFarbe. Es erscheinen nur ein paar unwichtige QuartärFarben, die in einem logischen Farbensystem viel Unordnung stiften.

Farben vierter Ordnung sind Farben zwischen den Farbbändern.

Wenn es Farbbänder gibt, dann haben sie einen Anfang und ein Ende. Wir können aber nicht sagen, an welchem Punkt ein Farbband in das andere übergeht. Farbbänder enden in Übergangsfarben.

Übergangsfarben bilden kleine Gruppen außerhalb der Farbbänder. Farben vierter Ordnung sind FarbtonArten für sich. Sie sind optisch, sprachlich und vorstellungsmäßig nicht definierbar. Wir können nicht sagen, wo das GELBE Farbband im Übergang endet und wo das ORANGE Farbband im Übergang beginnt.

Sehr genau können wir ein reines ROT und zwei andere PrimärFarben, drei SekundärFarben und zwölf ideale TertiärFarben bestimmen. Die Farborientierung in unserem Kopf informiert sich an IdealFarben, nicht an unscharfen Grenzbereichen der Farbbänder. Aus diesem Grund wurden die Farben vierter Ordnung symbolisch aus dem System des FARBTONartenKREISES ausgegrenzt und ihre Orte im System durch weiße Streifen gekennzeichnet.   

Wenn Itten eine Farbe erster Ordnung (GELB) mit einer Farbe zweiter Ordnung (ORANGE) zu gleichen Teilen mischt, entsteht eine Farbe vierter Ordnung, entsteht keine neue SekundärFarbe, keine TertiärFarbe und kein neues Farbband. Es entstehen ein paar unwichtige Farbtonstufen als Übergangsfarben zwischen den Farbbändern. Itten muss für seine QuartärFarben neue Namen finden, die alle FarbtonArten und Orte zwischen den Farbbändern kennzeichnen. Geraten QuartärFarben in die Goethe-Farben-Ordnung, wandeln sie Ordnung in Chaos.

Gibt Itten den Farben vierter Ordnung Namen von Farben dritter Ordnung, ist das Etikettenschwindel. Farben dritter Ordnung, TertiärFarben sind immer Mischungen aus ungleichen Teilen, wie der Name zeigt: orangeGELB (wenig orange und VIEL GELB!)

Ittens PrimärFarben sind in Wirklichkeit TertiärFarben, Farben dritter Ordnung (orangeGELB statt GELB). Zwischen einer PrimärFarbe und einer SekundärFarbe entstehen drei FarbtonArten, nicht eine, wie Itten vorgibt. Seine Namenreihe bezeichnet die Farben „Gelb“, „Gelborange“ und „Orange“. Richtig ist: Zwischen GELB und ORANGE entstehen die drei FarbtonArten orangeGELB, undefinierbare ÜbergangsFarben und gelbORANGE. Der schlampige Umgang mit den wichtigen Farben dritter Ordnung, das Außerachtlassen, Verfälschen und Verwechseln von TertiärFarben muss in der Farbentheorie ein Ende haben. Geordnetes Wissen und zuverlässige und rasche Informationen aus dem Farbenkreis sind im Gestaltungsprozess unentbehrlich.

Die Übergangsfarben zwischen den Farbbändern

Zwischen zwei so ähnlichen Farbtönen ist kein Platz für hochrangige FarbtonArten.

Die FarbtonArten zwischen ORANGE und GELB

Zwischen GELB und ORANGE entstehen drei FarbtonArten:

Die Funktionen des FARBTONartenKREISES

  • Farben- Ordnung,
  • Farben- Kennzeichnung,
  • Farben- Übersicht,
  • Farben- Analyse,
  • Farben- Synthese,
  • Farben- Inspiration,
  • Farben- Interpretation,
  • Farben– Transkription und
  • Farben- Kontrolle.

Der FARBTONartenKREIS dient in der Regel zur Information über Auswahlmöglichkeiten unter den FarbtonArten. Unmittelbare Informationen über Gegenfarben sind im Gestaltungsablauf auch sehr hilfreich. Diese einfachen Rückmeldungen verfügbar zu haben, gibt Sicherheit.

Andererseits bilden sich, durch die ständige Nutzung eines vollständigen Farbensystems, manchmal durch Zufall, oft folgerichtig neue oder persönliche Gestaltungsmethoden.

Wer immer alle Aufgaben sofort und mit hoher Qualität löst, braucht keinen FARBTONartenKREIS.

Aber: Bürostubenkunst erschöpft sich oft und viel zu schnell.

Ohne Naturstudium oder unter Termindruck, bei Autorenkontrollen, bei Komplikationen auf den Baustellen sind neue Ideen manchmal nicht sofort präsent.

Der FARBTONartenKREIS generiert für jede Aufgabe eine Vielzahl von Gestaltungsvorschlägen. Auch sehr einfache Lösungen werden angeboten. Gerade das Einfache wird in der Erregung oft übersehen. Besonders deshalb hat sich der FARBTONartenKREIS in 50 Jahren Gestaltungspraxis so gut bewährt, auch wenn eine Gestaltung ausnahmsweise in die Kriese gerät.

Durch anschauliche Darstellung aller Farbbänder im FARBTONartenKREIS kann jeder jederzeit kontrollieren, ob FarbNamen mit Hilfe ebendieser Farbtöne korrekt interpretiert erscheinen. Die Farben im Kopf sind leuchtend und klar.

Der FORMENartenKREIS

Die PrimärFormen

Erstaunlich: Es gibt drei PrimärFormen und drei PrimärFarben

Die SekundärForm RundSchräg

Zwei PrimärFormen zu gleichen Teilen gemischt ergeben eine SekundärForm

Die SekundärForm RundGerade

Die SekundärForm SchrägGerade

Die Namen der FormenArten

verbesserungswürdig aber funktionsfähig

KomplementärFormen in der Baukunst

Gegensätzliche Formen als GestaltungsMittel

KomplementärFormen sind keine Erfindung der Bauhauskünstler Paul Klee, Wasily Kandinsky und Lyonel Feininger. Für Antoni Gaudi sind Gestaltungsmethoden mit Formen und GegenFormen so wichtig, wie für die Baukunst fast aller Hochkulturen der Welt.
Auf Architekten warten Termine. Wer in Computerhöhlen eingesperrt ist  und täglich mindestens acht Stunden Naturverbot hat, darf nicht sehen, was interessant und mitreißend in Erscheinung tritt. Macht Baumeistern keine Vorwürfe, wenn ihre Bauten schließlich verdreht, abgeknickt, verbogen, schief, wie Angstlösungen als Thermosflaschen-, Schuh- oder Regalarchitekturen wirken. Konstrukteure sind so sensibel, dass sie die notwendigen runden und schrägen Formen quasi „mit Gewalt“ verursachen. Moderne GrundFormen der Architektur, also progressive BauFormen mit Sinngehalt werden gebraucht aber nicht interpretiert. Das Wissen über KomplementärFormen schütz Architekten vor NonsensFormen und unmotivierten RUNDEN und SCHRÄGEN. Wenn die Architekten nicht zur Natur gehen, muss die Natur eben zum Architekten an den Schreibtisch kommen. Vielleicht wird das geplante Nachschlagewerk für GrundFormen der Natur, GrundFormen der Architektur und GrundFormen der Technik und deren Funktionen eines Tages ein Umdenken und eine Rückbesinnung auf sinnvolle Formenbedeutungen einleiten.

Eine Form muss das Ding doch haben, warum keine, die Spaß macht?

4 Einzelteile  –  viele Baukastenfenster

Wer mit System baut, sollte auch mit Systemen gestalten

Methode: Formen-Bindung

Einige Varianten aus vier Fensterelementen

Fassadenentwurf  QP fünf – und zehngeschossig

Baukastenfenster wandeln sich in unterschiedlichste Fenster-Figuren.