Jörg Krenke
Vorstellung beim Entwicklungsworkshop des DFZ / Tübingen / September 2015


Auszüge aus dem Vortrag „Forschungen und Probleme“ am 24. September 2015 beim Entwicklungsworkshops des Deutschen Farbenzentrums an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Brechtbau, Raum 127

 


Das Problem ist ein Werkzeug, das als Grundordnung


- allgemeinverständlich,
- vollständig und
- logisch-nachprüfbar,

- zu Analysen und Synthesen der Farb- und Formgestaltung,
- zum Sprachbau und zu Sprachhandlungen,
- für die Verständigung mit Symbolen und Merkmalen
- der Farben und Formen und
- zur Integration der Farbensysteme und Kataloge geeignet ist.

 


Thesen
Mit Goethes Farbenordnung können wir 18 FarbtonArten präzise erkennen, beurteilen und anwenden.
Farbbänder und TertiärFarben brauchen einen logischen Platz in der Goethe-Farben-Ordnung.
Die Hierarchie der Farben muss bis in die feinsten Differenzierungen und auf den ersten Blick erkennbar bleiben.
Ohne sichtbare Farbbänder und Farbnamen im Farbenkreis gibt es keine schnelle und sichere Zuordnung von Farbtönen und keine Orientierung unter den Farben.
Der abstrakte Farbname erzeugt die Farbe in der Vorstellung, die aktuelle Farbe zeigt das Erreichte/Erreichbare.
Eine neue Qualität der Farbenordnung entsteht, wenn Goethes Farbenkreis durch Farbbänder und Tertiärfarben mit empfindungsmäßiger Gleichabständigkeit von Farbton zu Farbton ergänzt und Mischsysteme mit empfindungsmäßiger Gleichabständigkeit von Farbton zu Farbton (z.B. RAL-Designsystem, Munsell Color Order System, Pantone, RAL CLASSIK e.c.) zu einem großen, Gesamt-System vereint werden.
Erforderlich ist ein Druckverfahren, das alle FarbtonArten, auch grünGELB, korrekt darstellt.

 


Ziel der Arbeit ist

Ein Gestaltungs-, Dialog- und Nachschlagewerk für alle, die mit Farben und Formen gestalten:
Ein Farben-Formen-System
.

Methode:

- Integration von Teilen bekannter Farben-Ordnungen zur
- Farbenanalyse, Farbeninspiration, Farbensynthese in der Farbgestaltung und zum Sprachbau und für   Sprachhandlungen der Sprache der Farben.
- Ein Formen-System auf Grundlagen der Goethe-Farben-Ordnung zur
- Formanalyse, Forminspiration, Formsynthese in der Formgestaltung und
- zum Sprachbau und für Sprachhandlungen der Sprachen der Formen.

 


Das Farben-Formen-System
Die entscheidenden Fragen der Farben und Formen unserer Zeit
betreffen die Grundordnung:
  • Der Charaktere der Gestaltungselemente,
  • Der Zeichen von FarbenSprachen/FormenSprachen,
  • Der Regelwerke zur Integration, d.h. zur Prüfung, Verschmelzung, Führung und Bändigung bekannter Farb- und Kataloggebilde.

Das Farben-Formen-System wurde 1963 entwickelt und besteht aus einem FARBTONartenKREIS und einem FORMENartenKREIS. Es dient zur Verschmelzung der Strukturen, der Normung der Gestaltungselemente und Sprachzeichen, zur Orientierung, Kontrolle und Inspiration für Schüler, Erwachsene, Künstler, Designer, Architekten, kurz: Für alle, die mit Farben und Formen gestalten.

Der FARBTONartenKREIS gilt für die additive, wie für die subtraktive Farbmischung. In den FARBTONartenKREIS können Farbtonkreise und Grundfarben anderer Systeme (z.B. RAL) integriert und angebotene oder fehlende FarbenFamilien der Strukturen erkannt und ergänzt werden.

Jede FarbtonArt ist ein Gestaltungselement und ein Grundthema der FarbenSprache. Soll eine Form durch Farben interpretiert werden, beginnt die Definition des FarbenThemas, unabhängig von der Mischstufe, bei der FarbtonArt. Die FarbtonArten GELB und gelbGRÜN z.B. sind unterschiedliche FarbenThemen.

Jede FormenArt ist ein Gestaltungselement und ein Grundthema der FormenSprache. Das FormenThema kennzeichnet den Sinngehalt der Gestaltung. Form und Sinngehalt sind untrennbar verbunden. Ändert sich die ArbeitsFunktion der Form, wechselt in gleichem Maße die InformationsFunktion der Gestaltung. Die FormenArten RUND und SchrägGerade sind gegensätzliche FormenThemen.

Formen schaffen Konstruktionen und Sinn, Farben interpretieren.

 


Instrumente

 


Die Funktionen des Farben-Formen-Systems

Methoden zur Arbeitserleichterung

  • Farben- Ordnung,

  • Farben- Kennzeichnung,

  • Farben- Übersicht,
     
  • Farben- Analyse,
     
  • Farben- Synthese,
     
  • Farben- Inspiration,
     
  • Farben- Interpretation,
     
  • Farben- Transkription,
     
  • Farben- Kontrolle.
  • Formen- Ordnung,

  • Formen- Kennzeichnung,

  • Formen- Übersicht,

  • Formen- Analyse,

  • Formen- Synthese,

  • Formen- Inspiration,

  • Formen- Interpretation,

  • Formen- Transkription,

  • Formen- Kontrolle.

 


Der Aufbau des FARBTONartenKREISES

Die Strukturen im Vollfarbenring:
sind Farbbänder und ÜbergangsFarben.

 Die Strukturen der Farbbänder:
eine ideale TertiärFarbe        eine PrimärFarbe        eine ideale TertiärFarbe
eine ideale TertiärFarbe        eine SekundärFarbe        eine ideale TertiärFarbe
und viele allgemeine Tertiärfarben

Die FarbtonArten der Farbbänder
grünGELB         GELB         orangeGELB
gelbORANGE          ORANGE          rotORANGE
orangeROT           ROT          violettROT
rotVIOLETT          VIOLETT          blauVIOLETT
violettBLAU          BLAU          grünBLAU
blauGRÜN          GRÜN          gelbGRÜN

QuartärFarben sind die wenigen ausgesonderten ChaosFarben zwischen dem:
gelben und orangen,
dem orangen und dem roten,
dem roten und dem violetten,
dem violetten und dem blauen,
dem blauen und dem grünen sowie
dem grünen und dem gelben Farbband.

 


Farben-Chaos

Wer täglich viele Farben sicher und schnell zuordnen muss, braucht Farbbänder.

 


Farbtonkreise ohne Merkmale

(FarbNamen - FarbtonArten) verhindern die Orientierung

 


Farbbänder zur Orientierung

Vor einer lückenlosen Farbenreihe ist die optische Bestimmung einzelner Farbtöne
zeitsparend möglich.


Wenn die Bestimmung von Farbtönen nur vor einem Farbband möglich ist, dann muss ein Farbenkreis alle
6 Farbbänder vollständig abbilden, um die Farbtöne der FarbtonArten schnell und sicher einordnen zu können.
Der FARBTONartenKREIS ist der erste Farbenkreis, der alle Farbbänder und ihre FarbtonArten vollständig darstellt.

 


Die Namen im FARBTONartenKREIS

Abstrakte, gesetzmäßige und von einander ableitbare FarbNamen

Erstaunlich, dass für 18 FarbtonArten - 18 abstrakte FarbNamen existieren. Sie müssen nicht erfunden werden. Sie sind einfach da. Wir können sie nutzen, wenn exakte Farbbezeichnungen erforderlich sind.



 


Die Namen der TertiärFarben

Was ist was?

In der Praxis kommt es oft zu Verwechslungen. Ist ein Blaugrün ein BLAU mit Tendenz zu GRÜN oder ein bläuliches GRÜN? Mit einer besonderen Schreibweise: Kleine Buchstaben für kleine Farbenanteile und große Buchstaben für große Farbenanteile kennzeichne ich TertiärFarben. Seit dieser Zeit gab es keine Missverständnisse mehr. Am Telefon sage ich: Schreiben Sie bitte BLAU mit kleinen Buchstaben und GRÜN mit großen. Dieses NamenSystem ist in viele Sprachen übersetzbar.


 


Das rote Farbband

Wählen wir das „reine Rot“ aus dem roten Farbband,
bleiben die FarbtonArten orangeROT und violettROT.
Die FarbtonArten im roten Farbband sind: orangeROT - ROT - violettROT.
Andere rote Farben gibt es im Vollfarbenring und im Bereich sichtbaren Lichts nicht.

 


Das rote Farbband im FARBTONartenKREIS

Farbton-Arten, Farb-Arten-Namen, Farb-Arten-Nummern und Dezimalstellen


Das grüne Farbband im FARBTONartenKREIS

Farbton-Arten, Farb-Arten-Namen, Farb-Arten-Nummern und Dezimalstellen

 


Der FARBTONartenKREIS

Der FARBTONartenKREIS ordnet zum ersten Mal
Farbbänder, FarbtonArten und Farbtöne in einem Farbenkreis

 


Farben vierter Ordnung

Zwischen dem gelben und dem roten Farbband bleibt ein unübersehbarer Farbunterschied. Die Differenz ist nur mit einem neuen Farbband, seiner SekundärFarbe und idealen und allgemeinen TertiärFarben zu schließen.

Übergänge zwischen dem gelben und dem orange Farbband
Zwischen dem gelben und dem orange Farbband gibt es dagegen einen sanften Übergang. Da ist kein Platz für ein neues Farbband, kein Platz für eine SekundärFarbe und neuen Tertiärfarben.

 


Farben vierter Ordnung

Farben vierter Ordnung sind Farben zwischen den Farbbändern.

Wenn es Farbbänder gibt, dann haben sie einen Anfang und ein Ende. Wir können aber nicht sagen, an welchem Punkt ein Farbband in das andere übergeht. Farbbänder enden in Übergangsfarben.

Übergangsfarben bilden kleine Gruppen außerhalb der Farbbänder. Farben vierter Ordnung sind FarbtonArten für sich. Sie sind optisch, sprachlich und vorstellungsmäßig nicht definierbar. Wir können nicht sagen, wo das GELBE Farbband im Übergang endet und wo das ORANGE Farbband im Übergang beginnt.

Sehr genau können wir ein reines ROT und zwei andere PrimärFarben, drei SekundärFarben und zwölf ideale TertiärFarben bestimmen. Die Farborientierung in unserem Kopf informiert sich an IdealFarben, nicht an unscharfen Grenzbereichen der Farbbänder. Aus diesem Grund wurden die Farben vierter Ordnung symbolisch aus dem System des FARBTONartenKREISES ausgegrenzt und ihre Orte im System durch weiße Streifen gekennzeichnet.  
 
Wenn Itten eine Farbe erster Ordnung (GELB) mit einer Farbe zweiter Ordnung (ORANGE) zu gleichen Teilen mischt, entsteht eine Farbe vierter Ordnung, entsteht keine neue SekundärFarbe, keine TertiärFarbe und kein neues Farbband. Es entstehen ein paar unwichtige Farbtonstufen als Übergangsfarben zwischen den Farbbändern. Itten muss für seine QuartärFarben neue Namen finden, die alle FarbtonArten und Orte zwischen den Farbbändern kennzeichnen.

Geraten QuartärFarben in die Goethe-Farben-Ordnung, wandeln sie Ordnung in Chaos.

Gibt Itten den Farben vierter Ordnung Namen von Farben dritter Ordnung, ist das Etikettenschwindel. Farben dritter Ordnung, TertiärFarben sind immer Mischungen aus ungleichen Teilen, wie der Name zeigt: orangeGELB (wenig orange und VIEL GELB!)

Ittens PrimärFarben sind in Wirklichkeit TertiärFarben, Farben dritter Ordnung. Das GELB in seinem Farbtonkreis z.B. ist in Wirklichkeit ein orangeGELB.

Zwischen einer PrimärFarbe und einer SekundärFarbe entstehen drei FarbtonArten, nicht eine, wie Itten vorgibt. Seine Namenreihe bezeichnet die Farben „Gelb“, „Gelborange“ und „Orange“. Richtig ist: Zwischen GELB und ORANGE entstehen die drei FarbtonArten orangeGELB, undefinierbare ÜbergangsFarben und gelbORANGE. Der schlampige Umgang mit den wichtigen Farben dritter Ordnung, das Außerachtlassen, Verfälschen und Verwechseln von TertiärFarben muss in der Farbentheorie ein Ende haben.

Geordnetes Wissen, zuverlässige und rasche Informationen aus dem Farbenkreis sind im Gestaltungsprozess unentbehrlich.

 


Farben vierter Ordnung
Die Übergangsfarben zwischen den Farbbändern

Zwischen zwei ähnlichen Farbtönen ist kein Platz für hochrangige FarbtonArten.

 


Die FarbtonArten zwischen ORANGE und GELB

Zwischen GELB und ORANGE entstehen drei FarbtonArten:

 


Die Funktionen des FARBTONartenKREISES
  • Farben- Ordnung,

  • Farben- Kennzeichnung,

  • Farben- Übersicht,
     
  • Farben- Analyse,
     
  • Farben- Synthese,
     
  • Farben- Inspiration,
     
  • Farben- Interpretation,
     
  • Farben- Transkription,
     
  • Farben- Kontrolle.

Der FARBTONartenKREIS dient in der Regel zur Information über Auswahlmöglichkeiten unter den FarbtonArten. Unmittelbare Informationen über Gegenfarben sind im Gestaltungsablauf sehr hilfreich. Diese einfachen Rückmeldungen verfügbar zu haben, gibt Sicherheit.

Andererseits bilden sich, durch die ständige Nutzung eines vollständigen Farbensystems, manchmal durch Zufall, oft folgerichtig neue oder persönliche Gestaltungsmethoden.

Wer immer alle Aufgaben sofort und mit hoher Qualität löst, braucht keinen FARBTONartenKREIS.

Aber: Bürostubenkunst erschöpft sich leider viel zu schnell.

Ohne Naturstudium oder unter Termindruck, bei Autorenkontrollen, bei Komplikationen auf den Baustellen sind neue Ideen manchmal nicht sofort präsent.

Der FARBTONartenKREIS generiert für jede Aufgabe eine Vielzahl von Gestaltungsvorschlägen. Auch sehr einfache Lösungen werden angeboten. Gerade das Einfache wird in der Erregung oft übersehen. Besonders deshalb hat sich der FARBTONartenKREIS in 50 Jahren Gestaltungspraxis so gut bewährt, z.B. wenn eine Gestaltung ausnahmsweise in die Krise gerät.

Durch anschauliche Darstellung aller Farbbänder im FARBTONartenKREIS kann jeder jederzeit kontrollieren, ob FarbNamen mit Hilfe ebendieser Farbtöne korrekt interpretiert erscheinen. Die Farben im Kopf sind leuchtend und klar.

 


Gestaltungsmethode: Farben-Interpretation

Eine Notiz durch Farben leichter erklären



Gestaltungsmethode: Farben–Transkription

Farbkompositionen in eine oder mehrere andere FarbtonArten übertragen


Farbe-an-sich-Kontrast: ROT – GELB – BLAU

Drei unterschiedliche Bildthemen durch die FarbenSyntax zur Gestaltungseinheit führen

 


Der FORMENartenKREIS

Die vollständige Ordnung der FormenArten

 


Parallele Identitäten bei Farben und Formen

  • Aus der Farbenhierarchie Goethes entwickelte sich, nach vergleichbaren Gesetzen und wie von selbst, dass innere Gefüge der Formenhierarchie. Mein Farben-Formen-System ist das Ergebnis des logischen Schlussverfahrens und entstanden, als ich auf die verblüffende Gleichartigkeit der Strukturen der Farben und Formen aufmerksam wurde. Mit Lust und Neugier suche ich in den Dingen und Erscheinungen nach Tatsachen und Folgen dieser Übereinstimmungen.

  • Goethes Satz vom „reinen Rot“ war für mich ein Satz der Farbenlehre, wie jeder andere auch, bis ich durch diesen Satz die verblüffende Gleichartigkeit der Strukturen von FarbtonArten und FormenArten erkannte und plötzlich klar war, dass Farben und Formen vergleichbar sind.

  • Die Kriterien der drei PrimärFarben und
    die Kriterien der drei PrimärFormen stimmen überein.

  • Die Kriterien der drei SekundärFarben und
    die Kriterien der drei SekundärFormen stimmen überein.

  • Die Kriterien der unendlich vielen TertiärFarben und
    die Kriterien der unendlich vielen TertiärFormen stimmen überein.

 


Die PrimärFormen

Erstaunlich: Es gibt drei PrimärFarben und drei PrimärFormen


 


Die SekundärForm RundSchräg

Zwei PrimärFormen zu gleichen Teilen gemischt ergeben eine SekundärForm



Die SekundärForm RundGerade

Zwei PrimärFormen zu gleichen Teilen gemischt ergeben eine SekundärForm



Die SekundärForm SchrägGerade

Zwei PrimärFormen zu gleichen Teilen gemischt ergeben eine SekundärForm

 


Die Namen der FormenArten

verbesserungswürdig aber funktionsfähig

 


Das Farben-Formen-System

Zehn Vorschläge aus dem System – das einfachste Angebot nutzen!

 


Das Farben-Formen-System

Ein Arbeitswerkzeug direkt für den Arbeitsplatz des Architekten

Jeder Gestalter entwickelt in seinem Berufsleben sehr persönliche Methoden der Gestaltung. So lange ein Gestaltungsprozeß ruhig und glücklich verläuft, soll Theorie bleiben, wo sie ist. Das Farben-Formen-System ist für den Notfall, zur Kontrolle, zur Verstärkung oder Abschwächung der Kontraste, zur Orientierung, zur Übersicht über gegebene Möglichkeiten. Das hilft schon. Die wichtigsten zwei Fragen, die im Gestaltungsprozeß entstehen, sind die Fragen: Welche Farben (Formen) gibt es und welche Farbe (Form) steht im größten Gegensatz zu meiner aktuell-genutzten  Farbe (Form).

Das Farben-Formen-System soll direkt im Sichtbereich des Arbeitsplatzes stehen. Wird es nie gebraucht, um so besser. (Aber abwarten!)  Das Farben-Formen-System eignet sich für die Gestaltung der Arbeitsfunktionen und die Gestaltung der InformationsFunktionen, den Sprachenbau und die Sprachhandlungen mit Farben und Formen.

Die folgenden Gestaltungsmethoden sind Vorschläge und zeigen, wie ich meine Systeme nutze. Wer vollständige Farben- und Formen-Strategien zum Einsatz bringt, wird bald persönliche Arbeitswege entwickeln. Er wird merken, dass im Prinzip immer gleiche Grundformen eine Rolle spielen, die unter verschiedenen Funktionen in Erscheinung treten. Es kommt darauf an geeignete Interpretationen für diese Anforderungen zu finden.

 


Die Funktionen des FORMENartenKREISES

Form-an-sich-Kontrast
Farbe-an-sich-Kontrast

 


Methode: Formen-Inspiration

Erhellende Gestaltungsidee durch Zusammenschau von
FormenArten und Bedingungen vor Ort.

 


KomplementärFormen in der Baukunst

Gegensätzliche Formen als GestaltungsMittel

KomplementärFormen sind keine Erfindung der Bauhauskünstler Klee, Kandinsky und Feininger. Für Antoni Gaudi und die Baukunst fast aller Hochkulturen der Welt waren Kontraste aus Formen und GegenFormen wichtige Gestaltungsmethoden.
Macht Baumeistern keine Vorwürfe, wenn ihre Bauten heute schließlich verdreht, abgeknickt, verbogen, schief, wie Angstlösungen wirken. Konstrukteure sind so sensibel, dass sie nach homogener Regalarchitektur die notwendigen runden und schrägen Formen aus Notwehr, jetzt quasi „mit Gewalt“ verursachen. Wer täglich mindestens acht Stunden Naturverbot hat, in Computerhöhlen eingesperrt ist und nicht sehen darf, was interessant und mitreißend in Erscheinung tritt, braucht Inspiration. Die Götter haben vor die ArchitekturForm das Erlebnis gesetzt. Wenn der Architekt nicht zur Natur darf, muss die Natur eben zum Architekten an den Schreibtisch kommen. Vielleicht als Nachschlagewerk mit den GrundFormen der Natur, den GrundFormen der Architektur und den GrundFormen der Technik. Zum aussuchen. Manchmal genügt den Begabten ein kleiner Kick. Das Wissen über KomplementärFormen könnte Architekten vor unmotivierten RUNDEN und SCHRÄGEN schützen.

 


KomplementärFormen in der Baukunst

Stockwerkpagode Shanghai

 


KomplementärFormen in der Baukunst

Teehaus in Shanghai

 


Fensterschlitze als IdealFormen

Hier entstehen Stadträume der leeren Zeichen

 


Typenformen
Ob Plattenbauten unerträgliche Öde oder vereinzelte Hochhäuser den Lebensraum der Menschen immer weiter entfremden, ist gleichgültig. Gestaltungsgesetze gelten: In der Schriftsprache, der Musik, der Mathematik und auch heute in der Architektur.
Architekten in der DDR waren sehr wohl in der Lage eine Plattenbauweise technisch mit Systemen zu beherrschen. Die Formen dieser Bauweise durch Systeme kosteneffektiv und anerkennenswert zu gestalten, war aus bekannten Gründen nicht möglich.

Bei der Entwicklung von Methoden der Gestaltung für den industriellen Wohnungsbau der Typen P2 fünf und zehngeschossig und QP fünf und zehngeschossig für die Deutsche Bauakademie Berlin, Prof. Dr. Ing. Ule Lammert, Direktor des Instituts für Städtebau und Architektur,
Prof. Dr. e.h. Hermann Henselmann, Chefarchitekt des Instituts für Städtebau und Architektur und
Prof. Werner Dutschke, Abteilungsleiter Architektur der Kunsthochschule Berlin- Weißensee,
waren meine Intensionen darauf gerichtet, Verbindendes, auch bei größter Gegensätzlichkeit, auf einer höheren Ebene zu halten. Ich wollte verstehen, wann am Baukörper Gleiches nicht langweilig, Vielfältiges nicht chaotisch wird. Mich hat interessiert, wie sich Vielfalt aus ganz wenigen Elementen entwickeln lässt, generell: wann logischer Zusammenhang entsteht.
Die Lösung war am Ende einfach:

  • Verbindendes entsteht, wenn sich Gleiches, in gegensätzlichen oder deutlich von einander abweichenden Anordnungen, wiederholt
  • oder Verschiedenes in einer sich wiederholenden Reihenfolge abwechselt.

Die Anmutung ist dann vielfältig. Die Elemente bilden eine Einheit, sie sind alle identisch nur anders organisiert. Gleiches wird nicht langweilig, sondern abwechslungsreich. Einförmigkeit und Chaos werden unterbunden, auch wenn die Elemente sich ständig wiederholen. Es bilden sich formale Zusammenhänge.
Buddhisten im Himalaja bauen mit diesen Methoden und wenigen Typenformen schon über große Zeiträume hinweg Siedlungen, die sich als städtebauliche Kunstwerke erweisen.

Mit unseren Augen können wir, letzten Endes, nicht ausweichen. Die Katalogarchitekturen und Plattenbauweise und der Schematismus anderer Baumethoden beeinflussen mit Ihren großen Baumassen das Stadtbild erheblich.
Wollen wir bessere Gefühle in unseren Städten erleben, müssen wir uns funktionsfähige Formen, im Sinne der Formensprachen, erlauben.
Eine Form muss das Ding doch haben. Warum nicht eine, die Spaß macht?

 


Viele Baukastenfenster aus 4 Einzelelementen

Wer mit System baut, sollte auch mit Systemen gestalten

Wiederholt sich ein Fenster aus einem Teil, wird es sehr schnell „ausgelesen.“ Es gibt dann keinerlei neue Informationen mehr. Dieses Fenster kennen wir nun schon und viele, unendlich viele solcher Fenster, in der folgenden Fassade und den folgenden Fassaden müssen unsere Augen noch ertragen. Es gibt keine Varianten und keine Differenzierungen, die neue Informationen für uns hätten, also: Entsteht Ermüdung und lange Weile! Typenformen eben.

 

Ein Fenster aus vier Teilen, gegensätzlich, nach einem System austausch- und zusammensetzbar, ergibt ganz leicht dreißig Varianten, die scheinbar nichts mit einander zu tun haben und doch alle zusammen eine Einheit bilden. Solche Fenster können sich in den Fassaden regelrecht verwandeln und bilden ständig neue Architekturzeichen, obwohl es immer die gleichen Formen sind. Dieses Gesetz wurde hier in einer bestimmten Weise ausgelegt. Es kommt darauf an, was Architekten gemeinsam wollen. Auch jedes Einfamilien- oder Hochhaus hat genug Architekturformen, die sich durch Methoden der Formenkompatibilität zu integrativen Einheiten entwickeln und differenzieren lassen. Damit sind die ArbeitsFunktionen der Formen abwechslungsreich gestaltet. Das Haus steht und erfüllt alle technischen Abforderungen.

Die InformationsFunktionen der Formen stehen dann aber immer noch im Widerspruch zu den Funktionen der Konstruktionen dieser Bauten. Die Sinnhaftigkeit der Bauformen gehört zu einem anderen Thema und bedarf gewisser Kenntnisse der FormenSprachen und themengebundener Zeichen, um Falschinformationen zu vermeiden.

 

 

Ein Fenster, aus vier gegensätzlichen Elementen, sieht in jeder neuen Kombination wie ein völlig anderes Fenster aus. Für den Städtebau ist aber wichtig, dass jede Kreation zur großen Einheit passt und im Stadtbild wie ein geschlossenes Ganzes wirkt. Das ist unerlässlich, um den orchestralen Zusammenklang eines vielgliedrigen Stadtkomplexes realisieren zu können.

 


Methode: Formen-Bindung

Einige Varianten aus vier Fensterelementen

 


Fassadenentwurf QP fünf - und zehngeschossig

Baukastenfenster wandeln sich in unterschiedlichste Fenster-Figuren.

Wenn ein Fenster aus vier Elementen so viele Gestaltungsvarianten zulässt und jedes weitere Element
die Vielfalt  potenziert, erscheint Einförmigkeit und Chaos unnötig. Auch heute.

 

Unerklärliches gibt es und Widersprüchliches. Um das Erklärbare in der Natur müssen wir uns bemühen. Manches Mysterium ist gestrickt aus Myriaden von Banalitäten. Dahinter verbergen sich aber oft Systeme, die einfache und folgerichtige Begriffe, im Sinne der Gesamtheit wesentlicher Merkmale in gedanklichen Einheiten darstellen und als Beispiele, Inspirationen oder Signale wertvolle Hilfe im Gestaltungsprozess leisten.

Mich hat immer interessiert, welche Eigenschaften Räume und Körper im Städtebau von Räumen und Körpern der natürlichen Realität unterscheiden.
Ich wollte in der Natur sehen: Wann Gleiches nicht langweilig, wann Vielfältiges nicht chaotisch wird, wie Verbindendes entsteht, trotz  Gegensätzlichkeit, wie die Natur Vielfalt aus wenigen Elementen entwickelt, wie sich technische Formen von natürlichen Formen in ihren Funktionen und Wirkungen unterscheiden, wie Eigenschaften zu beeinflussen wären, wie Verbindendes entsteht, trotz  Gegensätzlichkeit. So wie der Arzt die Wirkung seiner Medikamente kennt, möchte ich die Wirkungen meiner Formen vorhersagen. Wenn ich mit Formen umgehe, möchte ich wissen, was ich tue. Das lohnt sich, weil Menschen eben nicht nur  denkende, sondern auch  sehr fühlende Wesen sind und viele Gefühle als Reaktionen auf Formen entstehen.

Die Bauerfahrungen noch lebender Baukulturen und die neuesten technische Innovationen wären miteinander zu koordinieren und für die Vielfalt zu öffnen. Architekten in der Welt könnten so viel individuell gestalten wie sie wollen, sie hätten aber grundsätzlich nur kompatible und gesetzmäßig integrierbare Elemente zur Verfügung. Statt Chaos, Energie- und Zeitverschwendung gäbe es GestaltungsFreiheit und Wettbewerb auf hohem Niveau. Chaos, Destruktion, zu besichtigender, falsch verstandener Individualismus und Konzeptlosigkeit allein schafft noch keinen gelungenen Städtebau.

 


Die Sprache der Formen
Ambivalente und mobile Formen.

Der Lehrsatz lautet: Lange gerade Formen gleiten.
Gleitformen soll eine Konstruktion haben, die gleiten kann.
Gleitet der ICE oder das Haus?

Drei Arten visueller Kommunikation mit übereinstimmenden Grundsystemen und integrierten Funktionen. Die Formensprache ist eine Sprache wie jede andere auch. Man muss sie erlernen, entweder durch Naturstudium oder durch systematisiertes Wissen. Wer in einer Sprache etwas sinnvolles sagen will, muss sie bis zu einem gewissen Grad beherrschen. Schriftsteller sind Meister in der Beherrschung ihrer ZeichenSysteme. Die Formensprache der Architektur und die Formensprache der Technik unterscheiden sich im Thema, in ihren themengebundenen Formenvokabeln aber nicht in ihrer Grammatik. (Formengrammatik im Sinne einer Lehre, die sich mit den sprachlichen Formen und deren Funktionen im Satz, mit den Gesetzmäßigkeiten, dem Bau einer Sprache beschäftigt)

 


Jörg Krenke

Seit 1970 Arbeit an einer umfassenden, mehrbändigen Ausgabe

Band I:
Das Farben-Formen-System, (In Kürze unter ISBN: 978-3-00-050254-5)
Farbbänder, Farbton-Arten, IdealFarben, das Namen-System, Farben vierter Ordnung,
Die Funktionen des FARBTONartenKREISES
Gestaltungsmethoden
Das Farben-Formen-System,
Das Formen-Arten-Systeme, Das Namen-Systeme, Gestaltungsmethoden
Die ARBEITSFUNKTIONEN der Zeichen

Band 2:
Die Sprachen der Formen
Allgemeine und themengebundene Zeichen- und Namen-Systeme, „FormenGrammatik“
Gestaltungsmethoden
Die INFORMATIONSFUNKTIONEN der Zeichen

 


Copyright

Ich weise darauf hin, dass sämtliche Inhalte dieser Webseite urheberrechtlich geschützt sind. Eine Nutzung auch kleiner Teile, ist nur unter Beachtung des Urheberrechts und insbesondere des Urheberzitatrechts im Rahmen von wissenschaftlichen Publikationen erlaubt. Sollten Sie Inhalte von dieser Webseite im Rahmen des Zitatrechts übernehmen, ist als Quelle der folgende Hinweis im Rahmen der Publikationen anzuführen:
Jörg Krenke, www.krenke.de

Eine Nutzung außerhalb des Zitatrechts, hauptsächlich die Rechte der Übersetzung, des Wiederabdruckes, der Präsentation, der Entnahme von Abbildungen und Tabellen, der Sendung in Funk und Fernsehen, der Mikroverfilmung oder anderweitiger Verbreitung und Speicherung in Datenrechnern, eine Vervielfältigung, auch von kleinen Teilen dieser Veröffentlichung, ist nur mit vorheriger, schriftlicher Genehmigung des Urhebers zulässig und unterschiedslos vergütungspflichtig.

Wenn Sie Interesse an einer entsprechenden Nutzung haben, können Sie sich gerne an mich wenden.
Ich stehe Ihnen unter der E-Mail Adresse: Krenke@gmx.com gerne zur Verfügung.