Jörg Krenke | Architekturtheorie



Die Regeln der Baukunst

Wenn von der Architekturwissenschaft:

  • die „Kodes“,
  • die „besonderen Zeichen“ und
  • die „Regeln des Zeichengebrauchs
  • in historischer Perspektive“ und
  • in aktueller Sicht“ bestimmt wurden, (sinngemäß Internet: Architektursemiotik)

dann können

  • diese besonderen Zeichen nach Funktionen geordnet werden.
  • Interaktionen zwischen den Funktionen der Formen und den Funktionen der Konstruktionen analysiert und beschrieben werden.
  • Studenten mit diesen besonderen Zeichen und den Regeln des Zeichengebrauchs ausgebildet werden und die Kodes verstehen.
  • dann steht der notwendige Lehrstoff für die Sprachen der Formen den allgemeinbildenden Schulen, dem Grundlagenstudium an den Hochschulen für Architektur und den Architekten am Arbeitsplatz als anwendungsbereites Wissen zur Verfügung.

Wenn das nicht so ist, warum geschieht es nicht?

Müssen ausgebildete Architekten erst ein zusätzliches wissenschaftliches Studium absolvieren, um in die Geheimnisse der Formensprachen eingeweiht zu werden?

Bauern, Jäger, Fischer, Soldaten, Mönche, Hirten, Analphabeten, Handwerker und Baumeister, die einen so großen Anteil an der Baukunst dieser Welt haben, kannten nachweislich diese besonderen Zeichen und die Regeln des Zeichengebrauchs. Die angesehenen Handwerker erbauten mit diesen Zeichen und Regeln in Jahrtausenden, überall in der ganzen Welt weiträumige Baukulturen z.B. die Kathedralen der Gotik und können Ähnliches, in den heute noch lebenden Kulturen immer noch.
Woher hatten/haben diese Menschen ihr Wissen?
Wie konnten Sie ohne eine gute Ausbildung so komplizierte Gestaltungsprozesse bewältigen? Wer waren ihre Lehrer?
Baukunst existiert!
Gute Literatur und Baukunst entstehen nicht durch Chaos, Willkür und Unordnung, nicht durch Zufall und nicht durch Nonsens. Auch Baukunst entsteht durch Regeln und ein ganz kleinwenig Chaos für Eingeweihte, das quasi wie ein Gewürz im Menü funktioniert.

Wenn Kinder in den allgemeinbildenden Schulen erst die Funktionen der Formen lernen und verstehen, lesen sie die Architekturzeichen in den Straßen der Altstadt von Potsdam, wie die Seiten in einem guten Buch, denn Zeichen sind bildhaftverständlich, sehr anschaulich und deutlich.
Die gesamte Baukunst wird plötzlich auf ganz neue Art erlebbar.

Diese Kinder kann niemand mehr über ein verfehltes Formenthema oder gar Formennonsens täuschen, wie sie in Texten ihrer Muttersprache sehr bald schon grammatische Fehler und inhaltlichen Unsinn erkennen.